Von: Birgit <e-Mail ist bekannt>
Betreff: Baschi
Datum: 27. Juli 2015 01:17:05 MESZ
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 Hallo Frank,
 
gerne erzähle ich hier meine Geschichte mit Baschi. Vielleicht macht sie anderen Menschen mit Hund Mut, nicht aufzugeben, auch wenn die Probleme mit ihrem Vierbeiner beinhart erscheinen.
 

Baschi ist ein Schäferhund-Mix aus Rumänien, knappe 6 Jahre alt und mit all den Problemen, die man rumänischen Hunden nachsagt, ausgestattet: Unsicher und ängstlich, aber auch aggressiv. Immer wieder ging der Schäferhund mit ihm durch. Wie Frank anfangs treffend bemerkte, eine brisante Mischung. Eine Brisanz, die durch Erziehungsfehler und Vermeidungsverhalten unsererseits weiter verstärkt wurde. Der Besuch verschiedener Hundeschulen verlief unbefriedigend. In der einen verbrachte ich die Übungsstunden am Zaun entlang laufend, außerhalb des Traininggeländes, damit Baschi sich an den "Anblick anderer Hunde gewöhnen" soll und die Zusammenarbeit endete mit der Empfehlung, den Hund ins Tierheim zu geben. In einer anderen Hundeschule hätte ich ihn eher tot gefüttert, bevor sich irgendwas verändert hätte. – Wir lebten damals sehr zurückgezogen, so dass Baschi kaum Gelegenheit fand, Besucher kennen zu lernen. Und raus gingen wir am liebsten zu Zeiten, wenn kein anderer unterwegs war. Außerdem gibt es in der Heide genügend einsame Wege, auf denen man niemandem begegnen muss. Denn, so wie er sich aufführte, war er schnell als Bestie verschrien. Dann verstarb mein Mann. Ich fand es einfach nur stressig mit diesem Hund unterwegs zu sein. Er zerrte an der Leine und pöbelte alles und jeden an. Als er anfing, auch nach meiner Familie und mir zu schnappen, war der Zeitpunkt gekommen, an dem eine Entscheidung fällig war. Entweder ich fand einen fähigen Hundetrainer oder ich müsste mich doch von Baschi trennen. Letzteres wollte ich trotz all seiner Unarten nicht wirklich.

Durch Beziehungen zum Lüneburger Tierheim wurde mir Frank Stummeier empfohlen. Und ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich bin, dass ich ihn und seine Art mit Hunden zu arbeiten, kennen lernen durfte.

Während und nach dem Erstgespräch mit Frank schwirrte mir der Kopf. Er stellte Fragen, analysierte, erläuterte. Die Vorgehensweise stand fest: Ich musste mit Baschi ein häusliches Training absolvieren, damit er erst einmal aus den eingefahrenen Verhaltensweisen herausfand.
 

"Eingefahrene Verhaltensweisen" – das klingt ja recht freundlich. Hier eine Auflistung derselben:  
 

  •     Er griff Besucher und mich ohne große Vorwarnung an.
  •     Niemand durfte sich nach vorne beugen – damit meine ich nicht, sich über den Hund zu beugen, sondern wirklich einfach nur nach vorne, um etwas aufzuheben oder Betten machen, usw.
  •     Wenn ich mir mit den Fingern durch die Haare fuhr, schnappte er sofort zu.
  •     Im Garten pöbelte er mich an, indem er mich mit Anlauf so ansprang, dass ich ins Wanken geriet. Zudem schnappte er dabei nach meinem Arm.
  •     Angeleint war er kaum zu bändigen, wenn uns andere Hunde begegneten.
  •     Von mir anfassen ließ er sich nur bedingt und auch nicht überall.
  •     Dar Satz "lass mal gucken" löste eine starke Drohhaltung, oder auch einen Angriff bei ihm aus.

Es gab im Prinzip keinen Bereich, in dem wir keine Probleme miteinander hatten.
 

Nachdem wir das häusliche Training erfolgreich absolviert hatten, arbeiteten wir an unserer Bindung und an der Leinenführigkeit. Das klingt jetzt alles fürchterlich langwierig. War es aber nicht. Nach nur vier Einzelstunden, inklusive Erstgespräch, kann ich heute meinen Hund überall mit hinnehmen. Er erkundet immer sicherer und freudig seine Umwelt. Wir gehen in Restaurants, Kellner dürfen an unseren Tisch treten, wir waren mit dem Schiff unterwegs, Baschi kann – wenn auch zurzeit noch in weniger belebten Gegenden – ohne Leine laufen, achtet auf mich und ist abrufbar. Meine Nachbarn sind immer wieder erstaunt, wie ruhig er geworden ist und Besucher trauen sich wieder ins Haus. Ja, nicht nur das – er begrüßt sie mittlerweile sogar freundlich. Baschi liegt inmitten fremder Menschen entspannt dabei. Und: Er versteht sich mit anderen Hunden. D. h. er läuft ohne Probleme im Rudel mit. Woran wir noch arbeiten müssen, sind Hundebegegnungen an der Leine. Doch auch diese Situationen sind bereits deutlich entspannter geworden und ich bin absolut gewiss: Mit Franks fachmännischer Unterstützung gehört auch dieses Problem bald der Vergangenheit an.
 

Ja, lieber Frank - hätte ich einen Hut, würde ich ihn vor dir ziehen. Ich finde es bewundernswert, mit welchem Know-how und welcher Geduld du die Kommunikation zwischen Mensch und Hund positiv beeinflusst und welche Ergebnisse du mit deiner Arbeit erzielst.

Hab weiter so großen Erfolg!
 

Herzliche Grüße
 

Birgit und Baschi